von Newslichter – Bettina Sahling – Diese Frau lebt für und mit den Pferden. Sabine Keilwerth hatte schon früh eine tiefe Verbindung zu Pferden als Helferwesen für uns Menschen. Heute bietet sie auf ihrem Pferdehof Steinhauser viele Möglichkeiten für Erwachsene, Kinder und Führungskräfte an, um mit Pferden zu sein und zu lernen. Mit uns hat sie ihre vielfältiges Erfahrungen in einem Interview geteilt.

Wie bist Du auf das Pferd gekommen?
Meine Mutter wollte als Kind immer reiten – in Berlin war das jedoch unbezahlbar. Deshalb durfte ich wohl reiten und sie hat es immer unterstützt. Ich ritt schon als 3 Jährige auf Kinderfesten, wollte dem Zirkus das Pony abkaufen weil es so schlecht behandelten wurde und später ritt ich auf einem Ponyhof. Das hab ich wieder aufgehört weil die Ponys gebissen und getreten und mich auch mal abgeworfen haben. Was ich als Kind nicht wissen konnte – es lag an mir: An meinen Ängsten, meiner Unsicherheit und meinem unklaren Auftreten. Hier hätte ich mehr Begleitung und Unterstützung gebraucht. 1980 bekam ich die Möglichkeit bei uns im Dorf die 4 Pferde von einem Bekannten mit zu betreuen. Dafür erhielt ich kostenlosen Reitunterricht, ich habe jeden Tag Stunden bei diesen Pferden im Stall verbracht. Hier habe ich viel gelernt und die Pferde haben mir viel beigebracht. Mein Lieblingspferd zeigte mir immer sehr deutlich wann es Durst hatte und wann ich das Heu herankehren sollte. Sie ließ mich einfach vorher nicht putzen. Erst wenn ich für Futter und Trinken gesorgt hatte, hat sie mir erlaubt sie zu putzen. Sie war dabei nie böse oder hätte mich gebissen. Sie schubste mich ganz sanft dahin wo ich sie mich haben wollte. Es wurde immer mehr zum Spiel und wir hatten viel Spass. Einmal fiel die Karotte in den Wassereimer sie tauchte mit ihrer Nase danach und fischte sie wieder heraus, danach flemte sie. Ich hab mich geschüttelt vor Lachen. Daraufhin tauchte sie ihre Nase erneut unter und flemte wieder (die Karotte hatte sie zuvor gefressen) sie hatte also keinen Grund ihre Nase erneut unter Wasser zu tauchen – außer um mir eine Freude zu machen. Als ich besser reiten konnte, durfte ich sie auch galoppieren, sie war noch jung und hatte echt Pfeffer. Einmal bockte sie im Galopp so oft hintereinander, dass ich ihren Schweif am Helm spürte – du kannst Dir vorstellen dass das ganz schön heftig war – als sie merkte dass ich ins rutschen kam hat sie sofort aufgehört. – Pferde passen auf uns auf wenn wir ihnen vertrauen – sie war ein fantastisches Pferd!

Reiten ohne Trense, warum und wie gelingt das?
Die Frage wäre für mich – warum gelingt das Reiten mit Trense? Na ja – Du würdest Deine Frage nicht stellen – wenn das Reiten mit Trense immer gelingen würde. Ich hatte eine hochsensible Stute, sehr dominant und sehr sehr feinfühlig. Sie war sehr schwierig- vielleicht sollte ich auch sagen ich war schwierig – wir waren uns sehr ähnlich. Ich ein Kontrollfreak – immer unter Druck und Spannung – alles überwachend und wahrnehmend – und wenn etwas nicht klappte – am Boden zerstört und mich selbst zerfleischend.

Diese Stute zeigte mir, dass sie nicht mit Trense geritten werden will. Sie tickte völlig aus – buckelte – stieg – rannte über den Reitplatz. Als ich das Gebiss ausgeschnallt habe – konnte ich sie reiten und sie war in der Lage konzentriert mit zu arbeiten. Sie zeigte mir, dass Pferde nur über Gedanken geritten werden können und wie partnerschaftlicher Umgang aussehen kann. Wie wir zu einem Körper verschmelzen und ein Gedanke von mir auf sie übergeht als wären wir eine Einheit.

Warum Reiten ohne ‘Trense? Ich will meinen besten Freund nicht weh tun und ihm auch keine Angst machen. Ich will auch keine Angst vor meinem besten Freund haben und ich will nicht dass er mir weh tut. Das heißt wir brauchen eine Ebene des Respekts und des Vertrauens zu einander. Das kann ich nicht erreichen wenn ein Hilfsmittel das mich und mein Pferd unterstützen soll, meinem Pferd unangenehm ist oder ihm gar Schmerzen verursacht. Das müssen ja nicht einmal absichtliche Schmerzen sein, es reicht ja schon, dass das Pferd erschrickt und ich vor Schreck am Zügel ziehe – schon empfindet es Schmerz. (Ich benutze auch keine Sporen) Meine Stute habe ich 1993 gekauft, sie hat mir gezeigt was sie braucht und ich habe mich auf die Suche gemacht, und mit Versuch und Irrtum im Selbstversuch und auch mit ihr gemeinsam habe ich Möglichkeiten gefunden um mit Pferden besser umzugehen. Seit 1996 reite ich ohne Trense und alle Pferde die ich auf die gebisslose Zäumung umgestellt habe – sind ruhige und gelassene Partner und in allen Gangarten gut zu halten. Wenn sie sich mal erschrecken, dann ist das ein kleiner Satz zur Seite um in ihre Sicherheitskomfortzone zu kommen und dann ist alles wieder gut.

Foto: Sabine Keilwerth

Wie gelingt das?
Pferde: Nur Trense raus wäre fatal! Das Pferd braucht Unterstützung während der Umstellung, es braucht positive Verstärkung, damit es weiß was es tun soll. Die Signale und die Hilfengebung des Menschen muss eindeutig sein. Pferde wollen gerne mit uns zusammen sein – wenn wir sie respektvoll behandeln.

Menschen: Das Bewusstsein des Menschen ist der größte Faktor. Wie geht er mit dem Pferd um? Wie klar ist er in seiner Vorstellung? Wie bewusst ist dieser Mensch zunächst in sich selbst? Wie sehr ist er in seinem Körper anwesend? Regiert nur der Kopf, oder sind Herz und Gefühl mit dabei? Wie stark ist die Intuition ausgeprägt? Wie achtsam und aufmerksam ist dieser Mensch? Dies sind alles Punkte die bei den meisten Menschen ausbaufähig sind und die Pferde helfen uns dabei. All diese Bewusstseinsfaktoren sind in uns Menschen angelegt und dienten in der Vergangenheit unter anderem dazu das Überleben zu sichern. Vieles davon ist verkümmert und kann durch diese Art mit Pferden umzugehen wieder aktiviert werden.

Welche Botschaft haben Pferde für uns?
Lerne Dich selbst kennen – und sei wie du bist – oder ürsprünglich (vor Deiner Geburt) gedacht warst.

Wie hast du pferdisch gelernt?
Die Pferde habe es mir beigebracht – und Erfahrungen aus der Kindheit haben mich gelehrt meine Wahrnehmung zu schärfen und auf alle Ebenen des Seins auszudehnen – “das nicht wahrnehmbare – wahrzunehmen” – Meine geistige Verbindung zu schärfen. Als Kind konnte ich Verstorbene wahrnehmen – bis 1994 hatte ich diese Fähigkeit vergessen.

Wir hatten einen Hund der mit 3 Jahren erblindete – er verband sich mit meinem Geist und mit dem Geist meine Pferdes. D.h. er sah was mein Pferd und ich sahen und daran orientierte er sich. Woher ich das weiß? Mein Pferd wollte nach Hause abbiegen und ich gerade aus. Ich habe mich durchgesetzt der blinde Hund ist abgebogen. Im Wald hab ich den Hund voraus durch das Unterholz geschickt – er ist den Weg genauso gegangen wie ich es mir vorgestellt habe – und ohne irgendwo dagegen zu laufen.

Foto: Sabine Keilwerth

Wie unterscheiden sich Deine Angebote für Kinder oder Erwachsene?
Die Sprache ist anders, bei den Kindern arbeite ich noch mehr mit Bildern und ich lass die Pferde mehr machen. Die Pferde wissen einfach was wir brauchen und zeigen den Kindern wie es geht. Natürlich wenn es Schwierigkeiten gibt oder die Kinder Unterstützung brauchen gebe ich kleine Impulse, oder Verbesserungsideen. Die Vorschläge die ich mache, sollen die Kinder überprüfen und nur wenn sie und das Pferd damit besser klar kommen, haben sie eine Ebene gefunden die auch wirklich wirkt.

Bei den Erwachsenen ist die Ausrichtung meines Auftrages ist ein anderer. Erwachsene wollen Reiten lernen, viel wissen und lernen, Pferde richtig kennen lernen, Neues lernen, Spass darf natürlich sein … ! Bei den Kinder ist mein Auftrag: Spass mit Pferden, aber Pferdegerecht, Reiten lernen und von Pferden lernen.

Die Kursinhalte für Kinder und Erwachsene sind ähnlich – wobei die Erwachsenenkurse mehr in die Tiefe und über ein mehr an Wissensvermittlung geht. Bei den Erwachsenen arbeite ich auch verstärkt über den Körper mit der Feldenkrais Methode. Die Kinder bekommen es in kleineren Häppchen…

Bei den Erwachsenen geht der Unterricht mehr über den Verstand – anders aus gedrückt der Verstand will beschäftigt sein – damit das Unterbewusstsein und die Gefühle bessere Arbeit verrichten können.

Genau lässt sich das nicht trennen – denn bei “Reiten ohne Trense” Kurse kommen wir immer wieder einmal an eine Blockierung oder ein traumatisches Erlebnis, dass wir uns auch bei Bedarf genauer ansehen – aber nur soweit wie es die Situation, der Teilnehmer und die Gruppe mitträgt.

Du bildest auch aus, was ist deine besondere Ausrichtung?
In der Reittherapeuten Ausbildung steht der Therapeut im Mittelpunkt – zunächst wird er geschult sich selbst besser kennen zu lernen und seine bereits vorhanden Fähigkeiten werden gestärkt. Nur was ich selbst erfahren, gefühlt und erlebt habe, kann ich als wirkliches Wissen weiter geben. So zielt die Ausbildung auf die eigene Erfahrung ab und wir arbeiten potenzial-, resource- und prozessorientiert. D.h. was da ist, darf sich zeigen und damit arbeiten wir. Was nützt mir der schönste Plan, wenn mein Klient gar nicht in der Lage ist, ihn umzusetzen. Wir arbeiten an der Wahrnehmung und an der Kommunikation, auf Grundlage der humanistischen Pädagogik/Psychologie (Moreno, Feldenkrais, Milton Erikson, Ron Kurtz). Dazu vermittle ich neben der Feldenkrais Arbeit, auch potenzialorientierte Methoden (Systemische Aufstellung, Rollenspiele) nach Moreno, Aichinger und Hellinger. Die Arbeit am und auf dem Pferd ergänzt und erweitert dann das Spektrum. Wobei wir hier mit Feldenkrais, Körperwahrnehmungen, Meditation und Mentaltraining arbeiten. Dazu kommen dann noch die Spirituellen Ansätze, wie Aura- und Energiearbeit, Schamanische Heilreisen, Bewegungsmeditationen uvm. Besonders ist, dass ich keine bestimmten Vorkenntnisse erwarte, da jeder Mensch schon Erfahrungen hat die er in seine Arbeit mit einbringt. So habe ich bei meinen Teilnehmer(innen) ein breites Spektrum an Vorkenntnissen – angefangen von der Physiotherapeutin, über den Lehrer, Hömeopaten, Ärzten, Erziehern, Heilerziehern, Musiktherapeuten und Hausfrauen. All diese Menschen haben eines gemeinsam – den Wunsch andere Menschen mit dem Pferd als Mittler zu begleiten und zu unterstützen.

Was ist Dein Traum?
Ich möchte ein Zentrum errichten, in dem Menschen und Pferde sich gemeinsam weiter entwickeln. Mit Schulung und Entwicklungsmöglichkeiten für Mensch und Pferd. Mit mehr Raum als ich es hier in Dottenheim habe. Wo Menschen eine zeitlang leben und arbeiten im Rhythmus der Jahreszeit und nach den eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der Tiere und Menschen harmonisch miteinander leben können. Im Kleinen habe ich, das schon erreicht. Ich habe immer wieder Menschen, die für einen begrenzten Zeitraum hier am Hof leben und arbeiten und mit den Pferden sind. Um dieses größere Ziel zu erreichen suche ich Unterstützung zunächst auf der finanziellen Ebene – damit sich meine Vorstellung materialisieren kann.

Dein Motto?
Lernen
Ist herausfinden, was Du bereits weißt.
Handeln ist zeigen, dass Du es weißt.

Lehren
Ist andere wissen lassen, dass sie es genauso gut wissen wie Du selbst.
Richard Bach

Logo-steinhauser-posHintergrund: Coaching mit Pferden schult das körperliche und seelische Gleichgewicht. Sie gewinnen Selbstvertrauen, Klarheit und Gelassenheit. Ein besseres Körpergefühl stärkt auch die Führungskompetenz. Im Mittelpunkt des Reitunterichts von Sabine Keilwerth steht der sanfte, harmonische Umgang mit dem Pferd. Reiten ohne Trense, Körpersprache, körperorientierte Therapie, Bodenarbeit und die Feldenkrais Arbeit sind wichtige Bestandteile der Angebote für Kinder, Erwachsene und Führungskräfte. Hier mehr http://www.pferdehof-steinhauser.de/

 

http://www.newslichter.de/2015/04/die-botschaft-der-pferde-an-uns-menschen/