Bei der Feldenkrais Arbeit, bei der ich die Schulter des Klienten angehoben habe, bestimmt die Beweglichkeit bzw. Verspannung des Klienten wie weit seine Schulter angehoben werden kann. Bleibt man nun innerhalb dieser Grenze und verweilt dort, akzeptiert diese Grenze und gibt dem Klienten die Möglichkeit diese Grenze non verbal zu erforschen, so ist es nach einer kurzen Zeitspanne möglich diese Grenze ganz ohne Druck zu überschreiten (oder sie ist nicht mehr vorhanden). Plötzlich ist noch mehr Bewegung möglich und die Schulter lässt sich bis zur nächsten Grenze weiter anheben. Wenn hier ebenfalls wieder Raum und Zeit gegeben wird, kann die Schulter noch weiter angehoben werden sogar bis zur natürlichen Grenze des Bewegungsapparates.

Innehalten und Raum geben
Aber nur durch das Innehalten und Raum geben ist es überhaupt möglich sich mit dem zusammen Klienten weiter vorzuwagen. Oft kann es hilfreich sein, nach dem ersten Anheben, zunächst langsam die Schulter wieder zu entlasten und abzusenken, denn auch im Loslassen nach unten werden Grenzen wahrgenommen und durch das Erforschen und Beobachten wird mehr Beweglichkeit und Bewusstheit möglich. Natürlich hätte ich die Schulter des Klienten soweit anheben können wie es sein Bewegungsapparat zulässt, ich hätte einfach nur den Druck verstärken müssen und die Schulter mit meiner Kraft nach oben bewegen können. Aber ich hätte in die Persönlichkeit meines Klienten eingegriffen, hätte seine Grenze überschritten, hätte ihn entmündigt und ihm meine Vorstellung der Bewegung einfach aufgedrückt.

Einverstanden sein
So möchte ich nicht arbeiten. Weder mit Menschen noch mit Tieren. Ich möchte ihnen nicht einfach meine Vorstellung überstülpen, wie sie zu reagieren haben, wie sie sich zu verhalten haben und was sie zu tun haben. Ich möchte ein „Einverstanden sein“ haben mit dem was wir gemeinsam tun.

Druck oder Überzeugen?
Natürlich ist es nicht immer so, dass mein Pferd freiwillig mitmacht und es bedarf auch mal der Überredung und der Überzeugung, aber auch ich brauche hin und wieder mal jemand der sagt, „komm runter vom Sofa lass uns was erleben…“. Würde mich jetzt aber jemand vom Sofa zerren und mir drohen, seine Macht über mich präsentieren, dann würde ich vielleicht mitmachen, aber Spaß hätte ich keinen dabei.

So ist es in meinem Bestreben mein Gegenüber zu überzeugen, dass das was wir tun uns beiden nützt und gut tut. Ohne dem DRUCK „du musst das jetzt tun weil ich das will“, sondern mit dem Druck der unterstützt und dranbleibt, zum Wohle des Gegenübers. Beides ist Druck, doch die Einstellung und die Wirkung dieser beiden Formen von Druck ist völlig unterschiedlich.

Es gibt unterschiedliche Arten von Druck und der Umgang mit ihm. 

Herzliche Grüße

Sabine