WYSIWYG – What you see is what you get?

Ein altes Wort aus der Computersprache, es beschrieb die erste Bildschirmgrafik, die nicht nur eine einfache Schrift anzeigte, sondern auch Bilder und Zeichnungen darstellte.

Was hat das mit Pferden zu tun? Zunächst einmal gar nichts! Aber ist Dir schon einmal aufgefallen, dass ein Pferd sich bei verschiedenen Leuten unterschiedlich verhält? Es gibt da die berüchtigten Schläger oder Buckler, die sich immer schrecklich aufführen. Kommt dieses Pferd nun in Kontakt mit Menschen, die davon nichts wissen und verhält sich dieser Mensch dem Pferd zugewandt und sensibel, passiert gar nichts.

Und verhalten wir uns Menschen nicht genauso? Werden wir in eine Schublade gesteckt, dann verhalten wir uns so wie es von uns erwartet wird. Negativerwartungen unseres Gegenübers werden genauso erfüllt – wie Positiverwartungen. Nur leider denken wir viel öfter negativ statt positiv.

Unsere Gedanken beeinflussen unser Tun und das Verhalten des Gegenübers

Als meine Tochter 2,5 Jahre alt war, hat sie zuhause immer schon Geschirr und Tassen und Gläser herum getragen, ohne diese fallen zu lassen. Dann waren wir in einem Hotel und sie nahm sich eine Tasse, wie zuhause eben auch. Und plötzlich waren alle Augen der Gäste auf meine Tochter gerichtet. Sie erstarrte richtig und war wie bewegungsunfähig. Ich sah sie an, hatte mir zunächst noch nichts dabei gedacht, doch wie in Zeitlupe ließ sie die Tasse, die sie am Henkel sicher trug, los.  So sehr wirkten die Gedanken und Befürchtungen der Gäste auf sie, dass sie die Tasse los ließ! Was bringen wir unseren Kindern durch unsere Gedanken bei? Was vermitteln wir unseren Pferden, die genauso sensibel sind wie unsere Kinder?

Ungehorsam?
Ist es Ungehorsam wenn ein Pferd einfach stehen bleibt? Oder habe ich es durch eine Bewegung, durch einen Gedanken gestoppt? Wie achtsam sind wir denn? Durch die Feldenkrais Arbeit weiß ich, dass wir Signale an unseren Körper senden, auch wenn wir die Bewegung nicht ausführen, sondern sie uns nur vorstellen. Durch die Vorstellung geben wir Impulse an unser Nervensystem, diese Impulse werden von den Pferden wahrgenommen. Wie sonst könnten sie bei Gefahr als Einheit reagieren? So habe ich ein junges Pferd geritten und mir vorgestellt am nächsten Hindernis halten wir an. Das Pferd ist gleich stehen geblieben. Ungehorsam? – Nein, ich denke nicht, ich denke es hat meine Nervenimpulse auf das Anhalten gespürt und reagiert.

Ich hab es danach ausprobiert – jedes mal wenn ich anhalten gedacht habe, blieb es stehen, ohne dass ich den Zügel benutzen musste oder große Signale geben.

Wie schlimm sind vorgefasste Meinungen?

Ich denke es kann verheerende Wirkungen zeigen. In der Reittherapie Ausbildung gibt es eine Übung. die sich mit diesem Thema beschäftigt und untersucht, wie es wirkt und was dabei passiert. Im Übungssetting gibt es einen Klienten und einen Therapeuten. Der Klient führt ein Gespräch mit dem Therapeuten über sein Anliegen. Der Therapeut bekommt zuvor die Aufgabe sich vorzustellen, dass er weiß was dem Klienten fehlt, er kennt dessen Problem und weiß auch was der Klient zu tun hat, damit er es lösen kann.

Was dabei zu beobachten ist? Der Therapeut verliert diesen Klienten! Denn der Klient fühlt sich zwar auf einer Ebene verstanden, aber nicht wirklich erfasst und gesehen. Es entsteht ein Druck auf den Klienten, er fühlt sich minderwertig, weil der Therapeut weiß was er nicht weiß (er ist zu blöd dazu?!). Und damit wird der Klient sich nicht wirklich gut beim Therapeuten aufgehoben fühlen. Im Nachgespräch wird deutlich, dass der Kontakt zwar nett war, aber der Klient sich nicht wirklich wohl fühlte. Auf die Frage ob er den Therapeuten wieder aufsuchen würde kommt ein klares NEIN!

Respektvolle Partnerschaft

Ich bin auf der Suche nach Partnerschaft, nach einer respektvollen Beziehung zu meinem Pferd. Ich will nicht, dass es sich brav verhält weil ich es unterdrückt habe. Ich will, daß mein Pferd sich ordentlich verhält weil ich ihm Respekt entgegenbringe und diesen Respekt möchte ich zurückbekommen. Erst wenn ich gebe, kann ich bekommen!

Ich möchte nicht, dass mein Pferd nur funktioniert – wie auf Knopfdruck, über Signale die antrainierten Bewegungen ausführt. Ich möchte, dass es mitdenkt, sich für unser gemeinsames Tun entscheidet.

Und manchmal ist mein Pferd schneller im Denken, denn wie kommt es, dass ich es rufe mit dem Halfter Richtung Wiese laufe, es mir entgegenkommt – an mir vorbei läuft? „keine Lust?“ – ha falsch gedacht! Es läuft direkt zum Ausgang, es will nur nicht dahin geführt werden – weil es den Weg schon kennt!

Einfach nur schlau würde ich sagen!